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Die Prescher-Orgel von 1671

Stadtansicht vor 1765 Die vermutlich erste Orgel in Aalen wurde 1671 von Orgelmacher Paul Prescher aus Nördlingen gebaut und stand in der 1650 gebauten Kirche. An diesem Instrument spielte auch der in Aalen aufgewachsene Christian Friedrich Daniel Schubart, dessen Vater hier Kantor war. Das Instrument stand im Chorraum, und so wurde es auch nicht zerstört, als 1765 der aufgestockte Turm (auf dem nebenstehenden Bild zu sehen) auf das Kirchenschiff stürzte. Dennoch lohnte sich eine Reparatur für einen Einsatz in der neuen Kirche nicht mehr. Das Instrument wurde statt dessen auf dem "Cancleyboden" verwahrt und 1777 an den Orgelmacher Joseph Algeier aus Alfingen verkauft. Weiteres ist nicht über das Instrument bekannt, ebenso sind keine Abbildungen erhalten. Wir haben auch keine Anhaltspunkte, wie die Orgel in Aalen ausgesehen haben könnte.

Der aus Zittau in Sachsen stammende Orgelbauer Paul Prescher war in der Region bekannt durch zahlreiche hochwertige Orgelneubauten. So baute er unter anderem die Orgel im Münster Schwäbisch Gmünd (von der der Prospekt erhalten ist) und in seiner Heimatstadt Nördlingen in der Georgskirche. Seine Werke werden von vielen Seiten gelobt. Die Orgel in Schwäbisch Gmünd z.B. hält sich zwei Jahrhunderte lang ohne größere Störungen, bis der gewandelte Zeitgeschmack einen Neubau einfordert.

In der neu gebauten und 1768 geweihten Stadtkirche wurde 1769 ein Neubau von Schmahl realisiert.

Bericht des Stadtschreibers Heuchelin, in den Grundstein der heutigen Kirche eingemauert:
Nachdem den 28. May des nächstverflossnen eintausendsiebenhundertfünfundsechzigsten Jahres, als am dritten Pfingsttag dessen furchtbares Angedenken noch die Gemüter derjenigen erfüllet, die solchen erlebet und bey ihnen unvergeßlich auch bey der lieben Nachkommenschaft zu allen Zeiten merk- und denkwürdig seyn wird, sich das traurige Schicksal ereignet, daß der vorige 160 Schue hoch gewesene Glockenturm, eine vormalige Zierde unserer Stadt vormittags 8 Uhr, mithin zu derjenigen Stunde, da man anheute diesen Grundstein zu legen im Begriff ist, plötzlich ein- und zusammenstürzte, und zwar durch seinen Fall des Thürmers beede Kinder, einen Sohn von 15 und eine Tochter von 25 Jahren auf eine höchst bedauerliche Weise ihres jungen Lebens beraubte, auch des Schuhmachers Joseph Kraußen unter dem Einsturz bei der Schule vorübergeloffenes Kind, welches indessen bald hernach wiedrum curieret worden, durch das Kupferdach versehrete, im übrigen hingegen keinen Menschen, ja sogar nicht einmal die in der Lateinisch und Deutschen Schule versammlet gewesenen Schulkinder, welche samt denen Herrn Schulbedienten, obwolen die Steine durch die Fenster der Schulstube gedrungen zum ewigen Preiß der göttlichen Güte und zu allgemeiner Verwunderung in dieser äußersten Lebensgefahr erhalten worden. Nur im mindesten beschädigte sie dannoch aber die vorherige auf diesem Platz gestandene Stadtkirche zu St. Nicolai, an deren vorderem Eck gegen des Sattlers Leonhard Kaufmanns Haus, das hierbey auch einigermaßen gelitten hat, der eingefallene Turm auferbauet ware, bis auf die Hälfte zerschmetterte, und insonderheit das Chorhaus, worinnen gleichwohl Cantzel Altar nebst dem daran befindlich gewesenen Chruzifix und die Orgel unversehrt geblieben, größtentheils ruinierte, sodaß ein Ehrsamer Rath allhier mit Vorwissen und Einwilligung des eine Ehrbare Bürgerschaft repräsentierenden Vierundzwanziger Collegii nach vorgängig mit Bauverständigen hierüber gepflogenem Rath der ohnumgänglichen Nothdurft zu seyn erachtet hat, gedachte Kirche, welche ohnehin nach der laydigen totalen Einäscherung hiesiger Stadt in anno 1634 bald hernach in annis 1648 uns 1649 nur wiederum auf die vom Brand übriggebliebene Mauren erbauet worden, gänzlich vom Boden hinwegreißen und statt deren ein ganz neues Gottes-Haus und zugleich einen neuen Thurn wiedrum aufführen und herstellen zu lassen.

In der Chronik des J. L. Kauffmann lesen wir noch:
Die Kirche, in Sonderheit aber das an dem Thurm erbaute Chor hat auf selbiger Seite den größten Schaden erlitten, daß man solches wie auch die auf einem bewundernswert schmalen Raum ohnverletzt gebliebene Orgel nicht anders als mit größter Lebensgefahr abbrechen können, das auf dem Altar gestandene Cruzifix ist unversehrt auf den Gottsacker zu Sankt Johannes Baptista gebracht worden.

(beide Texte zitiert aus: Bernhard Hildebrand, Episoden aus der Geschichte der Stadt Aalen, Konrad Theiss Verlag Stuttgart und Aalen, mit freundlicher Genehmigung des Verlags)

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