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Warum eine neue Orgel?

Mangelhafte Befestigung der Becher an der Trompete 8' im HauptwerkDie heutige Orgel ist technisch stark verschlissen und mangelhaft geplant. Durch fehlende Erfahrungen mit der verwendeten Technik Anfang der 60er Jahre, aber auch durch planerische Alleingänge entstand ein Werk, das keine technischen und musikalischen Ansprüche befriedigt. Die Aufführung von Literatur verschiedener Epochen ist nur unter sehr starken Einschränkungen möglich. Die Unzuverlässigkeit der Orgel bedingt häufige und teure Reparaturen, will man das Werk spielbar erhalten. Aufgrund der konzeptionellen und technischen Mängel hat das Instrument keinen historischen Wert.

Eine Verbesserung der bestehenden Orgel käme einem Herumdoktern an Symptomen gleich: Der klangliche Apparat ist unzulänglich, ein Austausch würde eine Neugestaltung der Windanlage, der Laden und Kanzellen erfordern. Der Spieltisch erfüllt keine Anforderungen an Ergonomie und läßt kein entspanntes Spiel zu, die Traktur ist mit den elektrischen Koppeln nicht geeignet für sensibles Spiel. Eine stückweise Erneuerung oder Überholung der Orgel würde längere Phasen der kompletten Unspielbarkeit mit sich bringen und mehr kosten als ein grundlegender Neubau. Zudem wären konzeptionelle Mängel damit nicht behoben.

Als Konsequenz daraus hat sich der Kirchengemeinderat für Abbau und Verkauf der Orgel von 1959 und einen grundständigen Neubau an gleicher Stelle entschlossen.

Klanglich...

Wir haben für Sie einige Klangbeispiele zusammengestellt, die die Probleme der gegenwärtigen Orgel verdeutlichen sollen.

Klangbeispiel 1 (MP3, 860 KB) Schwankende Tonhöhen bei Zu- und Abschalten anderer Register
und beim Spielen anderer Pfeifen des gleichen Werks
Klangbeispiel 2 (MP3, 695 KB) "Atemnot" und "Wimmern" der Orgel (Konzertmitschnitte)

...und technisch

Hier ein kurzer Auszug aus dem Orgelkontrollbuch, in dem die technischen Störungen der Orgel protokolliert werden. Alle diese Störungen sind im Laufe eines einzigen (!) Jahres aufgetreten.

DatumRegisterStörung
07.01.1997Koppel III zu IInicht über Piston/Klaviaturknopf zu bedienen (hängt?)
07.01.1997Koppel III zu PD° spricht nicht an
07.01.1997Prinzipal 16'/PedCis° scheppert
07.01.1997Koppel II zu PKlopfgeräusche im Spielschrank bei einigen Tönen
09.01.1997Prinzipal 4'/Posf° schnarrt
17.01.1997Gemshorn 8'/HWDurchstecher auf d'''
22.01.1997Koppel I zu IIf°, h° verstellt, klingen schon bei Berührung
29.01.1997Koppel III zu PPiston/Klaviaturknopf ausgefallen
26.03.1997Großpedalladee', f' tot
08.04.1997Nachthorn 4', Rauschharfe 4'/HWstören sich gegenseitig
08.04.1997Fr. KombinationenAnlage springt beim Schalten Kb2 zu Kb 3 in Handregister
23.04.1997Fr. KombinationenKnopf für Pedalkombination 2 klemmt
23.04.1997Koppel III zu IId', fis' und gis' klappern, e', c'' und e''' sind tot
23.04.1997Kleinpedalladees, f, fis, b sind tot
24.04.1997Rauschharfe 4'/HWd' heult
05.06.1997Koppel I zu Pfis spricht schlecht bis gar nicht
05.06.1997Krummhorn 8'/Posd'' spricht schlecht an
03.09.1997Fr. KombinationenAnzeige "Handregister" hat Wackelkontakt
09.-11.09.1997: Techn. Wartung und Stimmung der Orgel (20,25 Arbeitsstunden)
24.09.1997Koppel III zu Iviele Töne ausgefallen, Zug nicht benutzbar
16.10.1997Koppeln I zu II, II zu PC°, c, fis, es': Positiv koppelt zum Pedal durch
16.10.1997Koppel II zu PB°, H°, d,...: sprechen schlecht bis gar nicht an
20.10.1997Schalmey 4'/SWRegister versagt total
01.11.1997Hauptwerkc' bleibt bei weichem Anschlag hängen
10.11.1997Schwellwerkquietscht laut beim Öffnen/Schließen
26.11.1997Kleinpedalladees, fis: sprechen kaum an (Ventil zu wenig geöffnet?)
01.12.1997Sordun 16'/SWspricht sehr schlecht an, unbrauchbar
02.12.1997Gedecktbaß 8'/PedC hat Nebengeräusche
10.12.1997Prinzipal 8'/HWd''': Nebengeräusche
15.12.1997Koppel III zu IIe''' versagt, fis''' Nebengeräusche
15.12.1997KoppelnKlaviaturknöpfe reagieren nicht bei schnellem Drücken
16.12.1997Koppel III zu Iunsensibel eingestellt
17.12.1997Schalmey 4'/SWf'', fis'' sprechen kaum an
17.12.1997Gedeckt 8', Quintade 8'/Pose°: Register beeinflussen sich
30.12.1997Gedecktpommer 16'/HWD°: Nebengeräusch

Beengte Platzverhältnisse im SchwellwerkDas Bild links ist ein schönes Beispiel für die ungenügende Planung der Orgel von 1960. Es zeigt die Schall­becher des Registers Schalmey 4' im Schwellwerk. Das Schwell­werk ist ein Teil der Orgel, der in einem geschlossenen Gehäuse untergebracht ist, das auf der Vorder­seite Jalousie­flügel hat. Zur Laut­stärke­regelung der Pfeifen in dem geschlossenen Gehäuse lassen sich diese Flügel öffnen und schließen. Nun wurde das Schwell­werk so beengt geplant, dass jedesmal, wenn die Flügel des Schwell­werks weit geöffnet werden, die Schall­becher zusammen­gequetscht werden. Man sieht auf dem Bild deutlich, wie die ehemals kreis­runde Öffnung des Schall­trichters vollkommen deformiert wurde.

Mängel wie dieser ziehen sich durch das ganze Instrument und verursachen häufige und teure Reparaturen. Ein handwerklich hervorragender Neubau, wie er in der Stadtkirche zu erwarten ist, ermöglicht auch die Senkung der Wartungs- und Unterhaltskosten.

"Die Orgel ist aufgrund der in der Vergangenheit vielfach verwendeten und sehr ambivalenten Altbestände in einem stark verbrauchten Zustand. Von einer neuerlichen Sanierung muss aufgrund der Rentabilität abgeraten werden." – Burkhart Goethe, Orgelsachverständiger

↓ Kontakt: Evangelisches Bezirkskantorat Aalen, KMD Thomas Haller, Curfeßstraße 31, 73430 Aalen ↓